Devisenmarkt/Forex und Co.

 

Alles was Sie über den Forex-Handel wissen sollten.

Der Forex-Markt ist und bleibt der größte Markt der Welt. Dennoch wissen viele Trader nicht oder nicht genau, wie er funktioniert. In unserem Grundlagenartikel zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, was der Forex-Markt ist, welche Fachbegriffe Sie kennen sollten und welche grundlegenden Analyse- und Trading-Methoden Sie einsetzen können.

 

Was ist der Forex-Markt?

 

Forex (kurz FX) ist zunächst die Abkürzung für Foreign Exchange und heißt nichts anderes als Devisenmarkt. Anders als der klassische Aktienhandel ist Forex ein außerbörslicher Markt. Das heißt, es gibt keine zentrale Börse. Der Forex-Markt setzt sich aus Banken, großen Unternehmen, Zentralbanken, Fonds, Brokern und Privatanlegern zusammen, die Over-the-Counter (OTC) – also außerbörslich – miteinander handeln. Der Forex-Markt ermöglicht es dem Anleger, aktiv mit den Währungen verschiedener Länder zu handeln, wobei Privathändler erst seit 1999 aktiv am Forex-Markt traden dürfen. Zuvor war dieser ausschließlich Institutionen vorbehalten. Entstanden ist der Forex-Markt in den 1970er Jahren infolge des Übergangs vom festen zum flexiblen Währungskurssystem.

 

Der FX-Markt öffnet am Sonntagnachmittag und bleibt bis Freitagabend geöffnet. Während dieser Zeit ist er 24 Stunden geöffnet und verfügt über ein tägliches Handelsvolumen von mehr als fünf Billionen Dollar – weit mehr als jeder andere Markt. Der Handel beginnt täglich in Sydney, bewegt sich dann nach Tokio, bevor er weiter nach Frankfurt und London läuft und am Ende in New York schließt. Auf diese Weise kann jeder Händler in jeder Zeitzone, egal ob Tag oder Nacht, Devisen handeln. Allerdings nimmt die Liquidität außerhalb der europäischen und amerikanischen Handelszeiten zum Teil stark ab. Ein Großteil des Handels konzentriert sich zwischen 08:00 und 18:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) vor allem auf den Londoner Handel (sogenannte „London Session").

 

Der 24-Stunden-Handel hat einige Vorteile für Trader. Sie müssen zum Beispiel nach der Bekanntgabe relevanter Nachrichten nicht darauf warten, dass der Markt öffnet. Damit fallen das Übernacht-Risiko und unerwartete Kurslücken zu großen Teilen weg, Absicherungs-Stopps können fast jederzeit ausgeführt werden. Die Händler können globale Chancen sofort und zu fast jeder Tages- oder Nachtzeit wahrnehmen, besonders seitdem es automatisierte Handelsstrategien gibt. Sie können ihre Strategie im Einklang mit spezifischen Marktereignissen und schleppenden Handelszeiten beziehungsweise Stoßzeiten individuell anpassen. Ein Restrisiko verbleibt für die Wochenenden, nach denen durchaus Kurslücken möglich sind. Trotz dieser Einschränkung bietet der Forex-Markt eine hohe Flexibilität für Trader, die in anderen Märkten nicht in diesem Maße gegeben ist.

 

Doch es gibt noch weitere Argumente, warum Forex Trading so interessant für Trader ist. Der Forex-Handel ist aufgrund seiner hohen Volatilität ideal für kurzfristige Händler, da sich eine Vielfalt an Faktoren auf die Wechselkurse auswirkt. Gewinne, aber auch Verluste werden sofort realisiert. Zudem seien die Kosten für den Handel im Vergleich zu traditionelleren Instrumenten sehr gering. Zu guter Letzt ist einer der Hauptanziehungspunkte der Zugang zu Hebeln, wodurch die Händler selbst bei geringsten Marktbewegungen und mit nur einer kleinen Investition ihren Gewinn (oder Verlust) erhöhen können.

 

Währungspaare

 

Der eigentliche Gegenstand unseres Handels am Forex-Markt sind Währungspaare. Im Wesentlichen funktioniert der Devisenhandel so, dass wir eine Währung mit einer anderen in einen Wettbewerb treten lassen. Wenn ein Trader aufgrund seiner Analyse zum Beispiel der Meinung ist, dass der US-Dollar gegenüber dem kanadischen Dollar steigen wird, geht er im USD/CAD long. Damit ist er im USD long, das heißt, der Trader ist überzeugt, dass die US-Währung gegenüber dem kanadischen Dollar an Wert gewinnen wird. Zwei einander gegenüber gestellte Währungspaare können nie das Gleiche tun – sie fungieren wie eine Wippe: Wenn die Währung auf der linken Seite nach oben geht, fällt die Währung auf der rechten Seite nach unten, und umgekehrt. In unserem Beispiel befindet sich der USD also oben (= long) und der CAD unten (= short). Gerade hier liegt eine typische Fehlerquelle, wenn es um den Forex-Handel geht. Eine der wichtigsten Regeln ist es, zu verstehen, dass es beim Kauf oder Verkauf eines Währungspaares zwei Währungen sind, auf die man achten muss, und nicht nur eine. Im Gegensatz zu Aktien oder Rohstoffen, bei denen man nur darauf achten muss, ob sie fallen oder steigen, und folglich kauft oder verkauft, muss man bei einer schwachen Währung den Gegenspieler finden, um aus der Schwäche einen Vorteil zu ziehen.

 

Dem Forex-Händler stehen zahlreiche Währungspaare zur Verfügung – allerdings mit der Einschränkung, dass genau wie beim Aktienhandel einige Währungspaare besser geeignet sind als andere. Die Gründe dafür sind die unterschiedliche Liquidität und verschieden schnelle Bewegungen. Einige Broker bieten weit mehr als 20 Währungspaare zum Traden an. Doch Sie werden schnell feststellen, dass Sie am Ende nur mit einigen Währungspaaren – in der Regel den Majors – handeln.

 

Wachsendes Handelsvolumen

 

Die Entwicklung der Währungsmärkte ist vergleichbar mit der der Rohstoffmärkte. Aufgrund der wachsenden Wirtschaftsverflechtungen verschiedener Währungsräume unterliegen der Kurswert und die Kaufkraft einer Währung gegenüber anderen Währungen ständigen Einflüssen von außen und damit entsprechend starken Schwankungen, die durch die vielen Transaktionen der Marktteilnehmer entstehen. Aus diesem Grund verändern sich die Kurse der Währungspaare fortlaufend. Da zudem die Handelsverflechtungen immer weiter zunehmen, steigen auch die Währungsumsätze stetig an. In ihrer jüngsten Studie spricht die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIS) für das Jahr 2013 von einem Forex-Tagesvolumen von sage und schreibe 5,3 Billionen Dollar. In der vorherigen Untersuchung aus dem Jahr 2010 waren es noch vier Billionen.

 

Ungefährdet ist gemäß der Studie die Vormachtstellung des US-Dollar. In 87 Prozent aller Währungstransaktionen war der Dollar beteiligt. Die größte Zunahme an Handelsvolumen seit 2010 war indes beim japanischen Yen zu beobachten. Vor allem der Umsatz beim Währungspaar USD/JPY konnte massiv zulegen, um rund 70 Prozent. An Bedeutung verloren hat dagegen der Euro – zumindest relativ zu den anderen Währungen. Seit 2010 stieg der Euro-Währungsumsatz um 15 Prozent und damit weniger stark als der Devisen-Gesamtmarkt. Dennoch bleibt der Euro mit einem Anteil von 33 Prozent (2010: 39 Prozent) die zweitwichtigste Währung der Welt. Weitere Währungen, die an Bedeutung gewinnen konnten, waren der chinesische Renminbi (CNY) sowie der australische (AUD) und der neuseeländische Dollar (NZD). Interessant ist auch die zunehmende Konzentration des Währungshandels in den großen Finanzzentren. 71 Prozent aller Umsätze wurden laut der BIS-Studie in Großbritannien, den USA, Singapur und Japan getätigt. 2010 waren es noch 66 Prozent.

 

Charts, Indikatoren und Fundamentaldaten

 

Die Technische Analyse ist im Wesentlichen eine Studie des menschlichen Verhaltens. Tatsächlich sind die Indikatoren, die man beim Handel an den Aktienmärkten nutzt, genau dieselben, mit denen man am Forex-Markt tradet. Viele Trader sind beispielsweise große Anhänger von Gleitenden Durchschnitten, dem MACD oder Fibonacci-Retracements. Hilfreich sind auch der Stochastik, der Relative Stärke Index (RSI) oder alternativ zum indikatorenbasierten Charting: Der Ansatz der Markttechnik, der auf wichtige Widerstands- und Unterstützungslinien sowie Zonen aufbaut.

 

Forex Trader sollten Stopp-Loss-Marken setzen, denn die Währungen schlafen nie. Wenn Sie bestimmte Indikatoren bei der Auswertung Ihres Aktienhandels zu Hilfe nehmen, können Sie dies in den meisten Fällen genauso für den Forex-Handel tun. Denn woraus besteht die Formel für die meisten Indikatoren? Richtig, aus einer gewissen Kursschwankung – und die finden Sie im Forex-Markt. Doch lassen sich gewinnbringende Strategien aus anderen Märkten hier auch anwenden? Es gibt Strategien, die in allen Märkten funktionieren; man muss jedoch daran denken, dass es sich beim Forex, dem Aktienmarkt und dem Anleihenmarkt um unterschiedliche Märkte handelt. Man sollte also nicht automatisch davon ausgehen, dass Strategien, die auf einem Markt erfolgreich angewandt werden, auch auf einem anderen funktionieren.

 

So müsse man sich auf jeden Markt einzeln vorbereiten. Insbesondere beim Forex handelt es sich um einen Markt, auf dem makroökonomische Ereignisse beträchtlich ins Gewicht fallen. Was die Fundamentalanalyse angeht, ist der wichtigste Faktor die Stärke der inländischen Wirtschaft und die Geldmarktpolitik der entsprechenden Zentralbank(en). So haben zum Beispiel niedrige Wechselkurse einen positiven Einfluss auf den Export, da die Preise der Produkte international sinken und somit wettbewerbsfähiger sind. Abhängig davon, welches Währungspaar der Trader handelt, haben natürlich die Arbeitsmarktdaten, die Zentralbankentscheidungen und die Wirtschaftsindikatoren dieser Länder einen erheblichen Einfluss. Für den Euro-Raum sind EZB-Sitzungen und der ifo Geschäftsklimaindex besonders wichtige Veröffentlichungen. Für GBP-Händler sind es die Bank-of-England-Entscheidungen. Fed-Sitzungen seien hingegen für USD-Trader wegweisende Momente.

 

Die Fragen lauten hier: Werden die Leitzinsen erhöht oder gesenkt? Und wurden die Erwartungen erfüllt? Die Zinsen wirken sich deutlich auf die Inflation und den Wert einer Währung aus. Volkswirtschaftliche Entwicklungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für den Devisenhandel. Entscheidende Faktoren sind hier unter anderem das Bruttosozialprodukt, die Arbeitslosigkeit oder der Verbraucherpreisindex, da sie den Zustand eines Wirtschaftsraums widerspiegeln.

 

Handelswege

 

Obwohl der Forex-Markt außerbörslich organisiert ist, kann man an den Börsen Währungs-Futures traden, die den Futures-Kontrakten auf Rohstoffe oder Indizes sehr ähnlich sind. Dies sind standardisierte Termingeschäfte, deren Rahmenbedingungen wie Verfallsdatum oder Kontraktgröße von den Börsen bestimmt werden. Im Gegensatz dazu können die im Interbankenmarkt – also außerbörslich – gehandelten sogenannten „Forwards" individueller gestaltet werden. Zudem bildet sich der Kassa-Kurs (Spot-Preis) im Interbankenmarkt. Trotz der Verfügbarkeit von Devisen-Futures werden Währungen überwiegend im Interbankenmarkt getradet – entweder direkt zwischen den Banken oder indirekt durch Privatanleger mittels Broker. Der entscheidende Vorteil des Interbankenhandels gegenüber Währungs-Futures besteht darin, dass der Trader wesentlich flexibler ist und seine Positionsgröße selbst festlegen kann, während er im Future einen kompletten MiniFX oder einen normalen Kontrakt handeln muss, so wie ihn die Börse vorgibt. Kein anderer Markt bietet vergleichbare Chancen.

 

Der außerbörsliche Handel überzeugt durch geringe Eintrittsbarrieren, hohe Liquidität und die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag zu agieren. Dafür ist der Handel über die Börse transparenter und alle Teilnehmer – vom privaten Händler bis hin zum Hedgefonds – traden zum selben Kurs und zahlen dieselben Gebühren. Neben den Futures gibt es zudem die Möglichkeit, Optionen auf Währung-Futures zu traden.

 

Risiken und Turbulenzen

 

Manchmal kann von einer Zentralbank zu einem bestimmten Zeitpunkt aber auch ein völlig unerwarteter Schritt ausgehen, der dann eine dramatische Veränderung am Forex-Markt zur Folge hat. Ebenso können unerwartet gute oder schlechte Wirtschaftsdaten plötzliche und große Bewegungen auslösen. Wie bei jeder Geldanlage müssen Sie immer daran denken, Ihre Verluste mit einer Stopp-Order zu begrenzen, und berücksichtigen, was passieren kann, wenn eine bestimmte Nachricht bekannt gegeben wird, die dann direkt in Ihren Stopp hineinplatzt. Das geschieht sicherlich nicht besonders oft, aber es kann passieren – ähnlich wie am Aktienmarkt.

 

Wie viel Verlust Sie sich bei einer Position schlimmstenfalls leisten können, ist eine Frage, die Sie sich immer wieder stellen müssen. Seien Sie sich stets bewusst, dass der Forex-Markt kein einfacher Markt ist, sondern beim Traden ebenso – oder gar noch mehr – Wissen und Übung erfordert wie jeder andere Markt auch. Das gilt vor allem dann, wenn Sie mit hohen Hebeln handeln, die von vielen Brokern angeboten werden. Diese können zu Ihren Gunsten, aber im Falle eines schlechten Risiko- und Money-Managements natürlich ebenso zu Ihren Ungunsten wirken. Der Hebel wirkt sowohl für Sie als auch gegen Sie. Durch den Handel auf Margin ist der Trader in der Lage, ein Vielfaches seines Kontoguthabens in einer Forex-Position einzugehen. Beispielsweise kann er eine Position im Gegenwert von 100.000 Euro eröffnen und zahlt dafür ein Prozent Margin, also 1.000 Euro. Geht man davon aus, dass sich das gehandelte Währungspaar fünf Prozent gegen den Kunden entwickelt, kommt es auch zu einem Kursverlust von 5.000 Euro, der dem Handelskonto automatisch belastet wird. Die Positionsgröße sei also entscheidend für die Höhe des Gewinns oder Verlustes. In sogenannten „Fast Markets", also bei schnellen großen Kursbewegungen, kann diese Hebelwirkung im schlimmsten Fall zum Totalverlust führen oder sogar eine Nachschusspflicht verursachen. Die meisten Forex Broker bieten ein Demo-Konto an, mit dem Sie traden können, ohne Ihr tatsächliches Kapital zu riskieren – so können Sie optimal einsteigen.

 

Wichtige Forex-Begriffe

 

Hebel:

Der Hebel ist ein zweischneidiges Schwert: Er kann überdurchschnittliche Gewinne, aber bei schlechtem Risiko- und Money-Management ebenso überdurchschnittliche Verluste bedeuten. Ein Hebel von zehn bedeutet zum Beispiel, dass Sie mit 1.000 Dollar eine Positionsgröße von 10.000 Dollar bewegen. Einige Forex Broker bieten sehr hohe Hebel an, die für die Praxis nicht zu empfehlen sind. Erfolgreiche Trader handeln in der Regel mit moderatem, strategisch sinnvollem Hebeleinsatz.

 

Lots:

Ein Lot ist die Standardeinheit einer Transaktion. Am Aktienmarkt handeln wir mit Aktien, am Forex-Markt mit Lots. Im Allgemeinen bieten Forex Broker entweder ein Mini- oder ein Standard-Konto an. Ein Mini-Konto ermöglicht es dem Trader, einen Währungsgegenwert von 10.000 Dollar mit einem Lot zu verwalten, während es mit einem Standard-Konto ein Gegenwert von 100.000 Dollar ist.

 

Majors:

Majors sind die Hauptwährungspaare, die am aktivsten gehandelt werden: EUR/USD, USD/JPY, GBP/USD, AUD/USD, USD/CAD und USD/CHF. An dieser Stelle möchten wir aber auch noch den EUR/JPY und den GBP/JPY mit aufführen, die ebenso einen relativ geringen Spread aufweisen.

 

Pips:

Geld verdienen wir am Forex-Markt dadurch, dass wir sogenannte „Pips" erhandeln – wie wir es an der Börse mit Dollar, Euro et cetera tun. Ein Pip entspricht der Veränderung der vierten Dezimalstelle um einen Punkt, also zum Beispiel beim EUR/USD von 1,3000 auf 1,3001. Im Allgemeinen entspricht eine Veränderung von einem Pip einem Wert von etwa einem Dollar (Mini-Lot) oder zehn Dollar (Standard-Lot); je nach Währungspaar oder Kontogröße kann es auch mehr oder weniger sein.

 

Spread:

Viele Broker verdienen ihr Geld mit der Differenz zwischen Geld- und Briefkurs (Spread). Einige berechnen möglicherweise auch eine Provision und gewähren dafür die Original-Interbank-Spreads. Grundsätzlich ist die Höhe der Spreads am Interbankenmarkt vom Währungspaar und der Tageszeit abhängig. Bei einigen Paaren wie dem EUR/USD sind sie während der aktiven Tageszeiten sehr eng, das heißt gerade mal ein Pip oder noch weniger. Weniger liquide Paare wie der EUR/NZD haben dagegen deutlich höhere Spreads, insbesondere zu Tageszeiten mit wenig Handelsaktivität.

Quelle - Forex Forum

Währungspaare – Anteile am Handelsvolumen

 

Die nun folgende Grafik zeigt, welchen Anteil die verschiedenen Währungen am Forex-Gesamthandelsumsatz haben.

Besonderheite beim Forex-Handel

 

Die Besonderheiten beim Forex-Handel

Aller Anfang ist schwer – das gilt fürs Autofahren oder für eine bestimmte Sportart ebenso wie für das Trading. Daher wird der folgende Artikel Ihnen die Grundlagen und Besonderheiten des Devisenmarktes (Foreign Exchange oder Forex-Markt) aufzeigen, um Sie bei Ihren Anfängen als Forex Trader zu unterstützen. Während viele erfahrene Trader von den Prinzipien „Chart bleibt Chart“ und „Markt ist Markt“ ausgehen, weist der Währungsmarkt ein paar feine Unterschiede auf, die sich jeder klarmachen sollte, der sein Glück an diesem Markt versuchen möchte.

 

Der Währungspaarhandel

 

Die erste Besonderheit, die wir hier diskutieren werden, ist die Tatsache, dass wir es im Devisenhandel immer mit Transaktionen zu tun haben, bei der eine Währung mit einer anderen verglichen wird. Manchmal auch als Währungspaarhandel bezeichnet, unterscheidet sich der Devisenhandel in dieser Hinsicht deutlich vom Aktienmarkt. Wenn Sie glauben, dass Aktie A steigen wird, ist die logische Konsequenz, Aktie A zu kaufen. Erreicht Aktie A Ihr Kursziel, werden Sie aussteigen und verkaufen. Glauben Sie dagegen, dass Aktie A billiger wird, werden Sie stattdessen den „Short“-Button Ihrer Handelsplattform drücken, um einzusteigen, und für den Ausstieg die „Buy to Cover“-Schaltfläche betätigen. Wenn Sie also unsere fiktive Aktie A traden, dann handeln Sie lediglich deren eigene Stärke oder Schwäche innerhalb des allgemeinen Marktes.

 

Am Devisenmarkt dagegen handeln wir immer die Stärke einer Währung im Verhältnis zur Stärke einer anderen. Bei diesem Paarhandel wird die erste Währung als Base Currency und die zweite als Quote Currency (auch Counter oder Pip Currency) bezeichnet. Betrachten wir das bekannteste Währungspaar EUR/USD, so ist der Euro die Base- und der Dollar die Quote Currency. Glauben Sie, dass der Euro gegenüber dem Dollar anziehen wird, ist die korrekte Vorgehensweise, mit einem Kauf ein- und einem Verkauf auszusteigen. Wenn Sie dagegen meinen, dass der Euro gegenüber dem Dollar an Kaufkraft verlieren wird, müssen Sie stattdessen zunächst verkaufen und, um aus dem Trade auszusteigen, kaufen.

 

Ab hier wird es verwirrend: Jede durchgeführte Transaktion ist gleichzeitig ein Kauf und ein Verkauf. Weil wir es im Devisenhandel immer mit Paaren zu tun haben, die in einer unauflöslichen Wechselbeziehung zueinander stehen, kaufen wir, wenn wir den „Kaufen“-Button drücken, nicht nur den Euro, sondern wir verkaufen gleichzeitig auch den Dollar.

 

Die meisten Handelsplattformen werden Ihre Order anzeigen und eine Bestätigung verlangen, bevor sie platziert wird. Auch wenn Sie das zu Beginn Ihrer Forex-Trading-Karriere verwirrend finden mögen, müssen Sie sich im Grunde nur eines stets ins Gedächtnis rufen: Glauben Sie, im Chart einen deutlichen Aufwärtstrend zu erkennen, platzieren Sie eine Kauforder, sehen Sie dagegen einen Abwärtstrend, verkaufen Sie.

 

Die Wippe

 

Die zweite große Besonderheit im Devisenhandel ist, dass die Währungen nicht immer dieselbe Hälfte eines Paares darstellen. Im oben genannten Währungspaar EUR/USD ist der Euro die Base Currency und der Dollar die Quote Currency. Traden Sie dagegen den Dollar gegen den Schweizer Franken, lautet die Bezeichnung des Währungspaares USD/CHF. Nun ist also der Dollar die Base- und der Schweizer Franken die Quote-Währung. Der Hauptunterschied ist dabei der Verlauf des Charts, der die Stärke des Dollars angibt. Verwirrend, oder? Im Folgenden wird eine einfache Eselsbrücke gebaut, mit deren Hilfe Sie sich den Richtungsverlauf der Wechselkurse und die Stärke der entsprechenden Währungen merken können.

 

EUR/USD und USD/CHF auf Tagesbasis

 

Wenn die Wippe einen Winkel bildet, der demjenigen auf dem EUR/USD-Chart ähnelt und sich dabei nicht bewegt, auf welcher Seite sitzt dann das schwerere/stärkere Kind? Eindeutig auf der linken Seite. Im Chart bedeutet das, dass die Währung auf der linken Seite im Verhältnis zu derjenigen auf der rechten stärker wird. Und auf welcher Seite befindet sich das schwerere Kind, wenn die Wippe einen Winkel wie der USD/CHF-Chart bildet? Auf der rechten. In diesem USD/CHF-Chart zieht also der Schweizer  Franken auf der rechten Seite gegenüber dem Dollar auf der linken an.

Noch ein Wort zu den Base-/Quote-Currencies: Wenn Sie die Charts betrachten, zeigen Ihnen die Zahlen auf der Y- beziehungsweise Preis-Achse an, für welchen Betrag der Quote Currency Sie eine Einheit der Base Currency kaufen können. Der EUR/USD-Chart beginnt bei 1,3800 und steigt auf über 1,4800 an. Blenden wir die Nullen für den Augenblick aus. Anfang März brauchten wir 1,38 Dollar, um einen Euro zu kaufen. Je weiter der Kurs und damit die Chartlinie anstiegen, desto mehr Dollar beziehungsweise Cent benötigten wir, um einen Euro zu erwerben. Anfang Mai 2012 kostete ein Euro dann über 1,48 Dollar.

 

Was ist ein Pip?

 

Eine weitere wichtige Besonderheit am Devisenmarkt ist die Größenordnung der Preisschwankungen. Für die meisten Währungspaare werden die Wechselkurse folgendermaßen angegeben: 1,2345

 

Ist der Dollar unsere Quote-Währung, handelt es sich also um 1,23 Dollar, wobei rechts von der Einerstelle des Cents noch einige weitere Ziffern stehen. Diese zusätzlichen Stellen sind Bruchteile eines Cents. Das klingt zunächst nach vernachlässigbaren Größenordnungen, doch wenn Sie den Wert jedes Bruchteils eines Cents heranziehen, können genau diese Stellen ausgesprochen wichtig sein. Es gibt andere Währungspaare, beispielsweise Paare mit dem japanischen Yen, bei denen der Preis der Quote-Währung sich etwas anders verhält. Aktuell wird das Währungspaar USD/JPY mit einem Wechselkurs von 78,37 gehandelt. Der Unterschied ist hier die Position des Dezimalkommas. In Paaren mit dem japanischen Yen ist der „Pip“ (Percentage in Point) die zweite Stelle rechts des Dezimalkommas, in Paaren mit dem Dollar befindet sich der Pip dagegen vier Stellen rechts des Kommas. Wie können Sie angesichts so geringer Preisbewegungen am Devisenmarkt überhaupt Geld verdienen? Hier kommt der Hebel ins Spiel.

 

Der Hebel

 

Die letzte wichtige Besonderheit am Forex-Markt ist der Hebel, der hier zugelassen wird. Dieser ermöglicht die Kontrolle einer großen Position mit einer kleinen Investition. Im normalen Aktienhandel ist beispielsweise kein Hebel möglich, es sei denn, Trader nutzen Derivate wie Hebelzertifikate oder Contracts for Difference (CFDs). Im Spot-Markt für Devisen können Trader je nach Wahl des Brokers dagegen einen Hebel von bis zu 100:1 oder gar 400:1 bekommen. Auf viele Trader üben diese Zahlen natürlich eine große Anziehungskraft aus.

Sie sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Hebel dieser Größenordnung ein zweischneidiges Schwert sind: Sie sind großartig, wenn Sie richtig liegen – und das Gegenteil, wenn das nicht der Fall ist. Wenn Sie eine Standardposition handeln, bei der 100.000 Dollar der Base Currency kontrolliert werden, entspricht jeder Pip zehn Dollar. Ein Kursanstieg von 1,4300 auf 1,4400 würde dann also einer Bewegung von 100 Pips und somit 1000 Dollar entsprechen. Für einen Trader, der mit Hebel 50 agiert, bedeutet ein 2000-Dollar-Investment in eine Standardposition also eine Rendite von 500 Dollar bei einer Bewegung von 50 Pips.

 

Fazit

 

Wie Sie gesehen haben, ist der Devisenmarkt ein ganz besonderer Markt, der sich in vielerlei Hinsicht von den anderen Märkten unterscheidet. Er eröffnet tolle Gewinnchancen, birgt aber auch hohe Risiken, die Sie unbedingt berücksichtigen sollten. Es empfiehlt sich, vor dem Live Trading mit dem Demo-Konto eines Forex Brokers zu üben, um ein Gefühl für den Forex-Markt zu bekommen und seine Chancen und Gefahren einschätzen zu lernen. Auf diese Weise können Sie in Ruhe eine zuverlässige und profitable Strategie sowie ein ausgefeiltes Risiko- und Money-Management entwickeln und im Anschluss daran so richtig durchstarten.

Quelle - Forex Forum

ForexTrading Network

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